Bauaufsicht MKK im Dialog: Wichtig ist der baufachliche Blick

‘Wir sind beide Ingenieure, keine Juristen – bei uns steht das Bauen im Vordergrund!‘ so die klare Ansage der beiden führenden Köpfe im Main-Kinzig-Kreis im Amt für Planen-Bauen-Wohnen und in der Bauaufsicht, Dipl.-Ing. Steffen Schomburg und Dipl.-Ing. Andreas Lenz. Die gesetzlichen Vorgaben müssen eingehalten werden. Aber es gibt unterschiedliche Blickwinkel, aus denen man Verwaltungsaufgaben bearbeiten kann. Im Main-Kinzig-Kreis werden diese mit baufachlichem Sachverstand angegangen. Und das führt zu guten Ergebnissen. Mit dem Gespräch in Gelnhausen setzt der BDB-HESSENFRANKFURT seinen Dialog mit den Bauaufsichten in Hessen fort.
Im Gespräch mit den Vorständen des BDB-HESSENFRANKFURT, Dipl.-Ing. (FH) BDB Andreas Ostermann und Architekt BDB Carsten Kulbe, geben Schomburg und Lenz Einblicke in die aktuell besonderen Aufgabenstellungen in der Bauverwaltung. Schnell ist der digitale Bauantrag Thema. Hessen hatte sich, neben Berlin und Brandenburg gegen die bundeseinheitliche Umsetzung entschieden. Im Main-Kinzig-Kreis ist man bereits im Frühjahr des letzten Jahres auf das digitale Antragswesen umgestiegen. Seit dem Oktober 2025 werden Bauanträge nur noch digital entgegengenommen. Lenz und Schomburg bestätigen: Die Erfahrungen sind überwiegend positiv.
Lenz kommt schnell auch auf ein besonderes Projekt der Bauverwaltung im Main-Kinzig-Kreis zu sprechen: die automatisierte Faktenprüfung für ein Baugrundstück anhand von Umwelt- und Geodaten. Langfristig sollen alle baurechtlich relevanten Informationen zu einem Baugrundstück digital und an einer Stelle konzentriert abrufbar sein. Aktuell gibt es bereits den Quick-Check als unverbindliche Informationsquelle. Ein digitales Tool für Bauherrn in dem ebenfalls bauplanerische/baurechtliche Grundstücksinformationen für einfache Bauvorhaben dem Bürger kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Die Bauverwaltung Main-Kinzig-Kreis war auch hier mit Ideengeber und treibende Kraft. Das neue Projekt die standardisierte Faktenprüfungen unter Anwendung bewährter GIS-Vermessungsprinzipien ist eine Weiterentwicklung dieses Tools.
Wichtig ist Ostermann die Beratung der Architekten und Ingenieure seitens der Bauverwaltung. ‘Selbstverständlich führen wir gerne das persönliche Gespräch mit dem Planer und klären so vorab viel. Uns ist ein kompetenter Ansprechpartner wichtig. Aber wir können keine Planungsaufgaben übernehmen. Bei Bürgeranfragen empfehlen wir immer, für die Bauaufgabe einen Planer zu beauftragen. Das ist im Sinne einer schnellen, fachlichen Bearbeitung sinnvoll,‘ sagt Lenz.
Eine Kommunikation auf Augenhöhe führt dann auch bei schwierigeren Fällen zu Lösungen und es gelingt mit der entsprechenden Gesprächsbereitschaft den Weg zur Genehmigung aufzuzeigen. ‘Mit dem Baupacket 1 und dem von der Bundesregierung beschlossenen „Bauturbo“ sollte es doch auch ausreichend Möglichkeiten für schnelle und problemlose Verfahren geben‘, so Kulbe.
In diesem Zusammenhang rückte auch die Vollständigkeit der von den Planern eingereichten Unterlagen in den Fokus.
Meist seien die Unterlagen relativ komplett, doch es gäbe wohl auch einige schwarze Schafe, aus deren unvollständigen Unterlagen Nachforderungen entstünden, die die Verfahren unnötig in die Länge ziehen, erklärten beide Herren übereinstimmend.
Schwierig sei auch, daß bei einigen Gemeinden ein fachlich versierter Ansprechpartner fehle. Dort geht dann Zeit verloren, wenn Stellungnahmen des Öfteren verspätet, oder gar nicht eingehen. „Hier muss die Behörde oftmals nachhaken, damit es weitergeht oder auch städtebauliche Faux Pas verhindert werden“ so Lenz.
Zum Abschluß hebt Schomburg den eigenen Weg zur Fachkräftegewinnung hervor. Ganz nach dem Motto, daß derjenige, der Fachkräfte braucht, sie ausbilden muß, ist man seitens der Bauverwaltung im Main-Kinzig-Kreis eine Kooperation mit Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) eingegangen und bietet einen entsprechenden Studiengang an. Jungen Verwaltungsangestellte erhalten mit einer fachorientierten Ausbildung, verbunden mit einem dualen Studium mit den entsprechenden Schwerpunkten die Qualifikation für eine berufliche Laufbahn in der Bauverwaltung. Dies sichert langfristig die nötige Kompetenz für die Aufgaben im Amt.
„Vor dem Hintergrund, dass wir selbst ausbilden, haben wir in der Bauverwaltung bzgl. Nachwuchsfachkräfte keine Sorgen“, so Schomburg.
BDB-HESSENFRANKFURT