Berufsständische Versorgungswerke brauchen unsere Aufmerksamkeit

1,1 Milliarden Euro Verlust muß das Versorgungswerk VZB, das für die Altersversorgung der Zahnärzte in Berlin, Brandenburg und Bremen zuständig ist, verbuchen. Das Anlagevermögen betrug ursprünglich 2,2 Milliarden Euro. Das Versorgungswerk der Zahn-ärzte in Schleswig-Holstein mußte 50 Millionen Euro abschreiben. Weitere 50 Millionen Verlust verbucht das Versorgungswerk der Apotheker – ebenfalls aus Schleswig-Holstein. 163 Millionen Euro hatte die Bayerische Versorgungskammer (BVK) schon 2024 abge-schrieben. Das noch bestehende Verlustrisiko wird von der BVK selbst auf 690 Millionen Euro beziffert.
Die aktuellen Meldungen zur Finanzlage der Versorgungswerke sind dramatisch. Verursacht sind die hohen Verluste vor allem durch risikoreiche Investitionen in Immobilien. Ganz offensichtlich wurde von den in den Versorgungswerken Handelnden die Anlagen falsch eingeschätzt. Doch warum gab es das früher nicht in diesem Ausmaß?
Der Grund liegt in der zurückliegenden Niedrigzinsphase am Finanzmarkt und einem Renditedrang. Um den Rentenversprechen und Rentenerwartungen der Einzahler in die Versorgungswerke gerecht zu werden, haben Versorgungswerke bereits seit längerem sich von festverzinslichen Papieren abgewendet und andere Anlageformen gesucht. Das muß grundsätzlich nicht schlecht sein – verlangt aber verantwortungsvolles Entscheiden, weil die Risiken ungleich größer sind.
Auf Bundesebene gibt es kein Kontrollorgan, daß Versorgungswerke beaufsichtigt. Die Bankenaufsicht ist nicht zuständig. Es gibt auch keine Staatshaftung und keinen Ausfallfonds, der zumindest hohe Verluste abmildern könnte. Versorgungswerke sind Ländersache.
Und damit wird es komplex: Die Architekten in Hessen haben sich dem Versorgungswerk der Architektenkammer NRW angeschlossen. Die Ingenieure zahlen die die Bayerische Ingenieurversorgung-Bau mit Psychotherapeutenversorgung ein. Die Aufsicht haben die jeweiligen Finanzministerien in NRW und Bayern.
Es ist ausdrücklich zu begrüßen, daß jetzt hessische Vertreter in die Vertreterversammlung des Versorgungswerks nach NRW entsendet werden sollen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Meldungen braucht es dieses Mehr an Informationsaustausch, Transparenz und Kontrolle sehr.
Für den BDB-HESSENFRANKFURT ist die Architekten- und Ingenieurversorgung, der ein Großteil seiner Mitglieder aufgrund gesetzlicher Regelung angeschlossen sein muß, ein wichtiges Thema, das Aufmerksamkeit braucht. Wie entwickelt sich der Rechnungszins? Wird er gesenkt? Gibt es eine Aufsplittung des Zinses für Altbestand und Neuzugänge? Wie wirkt sich ein offenes Deckungsplanverfahren auf die Rentenzahlung aus? Insbesondere dann wenn ein kontinuierlicher Neuzugang von Berufsangehörigen längerfristig nicht erwartet werden kann?
Zahlen müssen eingeordnet werden. Denn richtig ist auch: Für das VZB ist der eingetretene Verlust bedrohlich. Bei der BVK mit einem Anlagevolumen von 117 Milliarden macht der Verlust aber nur etwas mehr als ein halbes Prozent aus.
Es geht darum, das Vertrauen der hessischen Architekten und Ingenieure in ihre Versorgungswerke zu bestätigen. Vertrauen ist bekanntlich der Anfang von allem.