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Für eine qualifizierte Ausbildung brauchen wir Qualität in Haupt- und Realschulen

Die INITIATIVE ZUKUNFT FACHKRAFT fordert Leistungsrealismus in den Schulen

Andererseits wird seit vielen Jahren von unterschiedlichen Einrichtungen und Verbänden das Lied von der Aufwertung der Abschlüsse an der Haupt- und Realschule gesungen. Das wird jedoch nur in den eigenen Kreisen, aber nicht bei den Betroffenen selbst gehört. Es ist zweck- und sinnlos. Die Karawane zieht weiter mit dem Ziel des Abiturs, das häufig letztlich eine Illusion bleibt.

Die Schule stellt sich der Allokationsfunktion, im Interesse der Gesellschaft die Begabungen und Fähigkeiten der Schüler dorthin zu lenken, wo sie am besten sich selbst und den erforderlichen Möglichkeiten entsprechen können. Doch die Lenkungen können nicht funktionieren, wenn sie durch die Eltern konterkariert werden. 

Es fehlt ganz simpel den Lehrkräften an pädagogischen Eingriffsoptionen, d.h. im Klartext, über die Leistungsbewertungen und die erzielten Versetzungs- sowie Abschlussergebnisse angemessen steuern zu können. Eine realistische Beurteilung des Leistungsvermögens muss sich in Noten und Qualifikationen spiegeln. Dies wurde in den letzten Jahrzehnten bildungspolitisch ausgehöhlt, damit immer mehr Schüler/innen möglichst höhere Abschlüsse erzielen können, da dies im internationalen Vergleich zählte und im eigenen Land gut ankam. Aber Quantität schafft nicht Qualität. Eher werden Bildungsverlierer erschaffen, die dann die unterschiedlichsten Formen der Sonder- oder Förderbetreuung benötigen, um sozialfähig zu werden. Die Ausweitung der Sozialpädagogik in den Schulen, die teilweise Verdrängung schulischen Lernens haben darin ihren Hintergrund. Damit jedoch werden keine Wissenskomponenten, Fähigkeiten und Fertigkeiten vermittelt, Kompetenzen, die einer späteren Ausbildung nicht zuletzt in den Betrieben zugute kommen können. Bestenfalls wird die Fähigkeit zur sozialen Integration verbessert.

In den Zeiten der Corona-Pandemie ist die Problematik und deren fatale Auswirkung auf Schüler/innen und Unterricht noch klarer geworden. Gerade für die Grundschule wird beklagt, dass die Kinder oftmals in den ersten Schuljahren durch den lückenhaften oder Distanz-Unterricht nicht mehr das Lesen, Schreiben und Rechnen beherrschen. Die eklatanten Lerndefizite setzen sich selbstverständlich auch in der Sekundarstufe I, Oberstufe und Berufsschule fort, ob in Vollzeit – besondere Bildungsgänge bis berufliches Gymnasium – oder Teilzeit (Berufsausbildung). Das vom HKM aufgelegte Löwenstark-Kompensationsprogramm kann wenig bis gar nicht helfen, da es wie die Verlässliche Schule gegen Unterrichtsausfall auf wenig qualifizierte Kräfte, vor allem Studenten, setzt, die schon bei Grundschülern nicht oder kaum akzeptiert werden. Das kann jede so eingesetzte Person mit Anspruch auf Vermittlung von Lerninhalten bestätigen.

Nicht die Anpassung von Leistungsanforderungen an die Lerndefizite sollte künftig auf der Tagesordnung stehen, sondern die Renaissance der Leistungsschule und nicht die Sozialpädagogisierung des Lernens. Das sieht zwar für die Landespolitik gut aus, z. B. möglichst wenige Schüler ohne Abschluss vorweisen zu können, aber das heißt regelmäßig nur, dass bei der oftmals im Laufe der Schulkarriere festzustellenden Leistungsverweigerung die Abschlüsse „verschenkt“ wurden. 

Selbstverständlich muss das Kultusministerium, die gesamte Landespolitik, ein richtig wirksames Programm zur Kompensation dieser Unterrichtsausfälle in den letzten beiden Jahren der Coronakrise auflegen. Da helfen keine Schönredereien und Vertröstungen, da helfen nur pädagogisch wirksame Operationen. Und ein Leistungsrealismus der not tut. Die INITIATIVE ZUKUNFT FACHKRAFT sorgt sich um den Ausbildungsnachwuchs und ruft dazu auf, mit vereinter Initiative auf das Kultusministerium einzuwirken, damit es sich wirklich dieser elementaren Herausforderung für die Zukunft der Schüler/innen stellt.

Erich Schleßmann, Koordinator INITIATIVE ZUKUNFT FACHKRAFT
BDB-HESSENFRANKFURT