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geprüft – bewertet – gesprengt . BRÜCKEN-KRISE – Wer handelt nicht?

Die Salzbachtalbrücke der A66 – Bild © picture-alliance/dpa

Der schlechte Zustand der Brückenbauwerke in Deutschland ist seit vielen Jahren bekannt. Bereits vor acht Jahren hatten die damalige Bundesregierung und die Straßenbauverwaltungen der Länder eine Strategie zur Ertüchtigung der Straßenbrücken im Bestand der Bundesfernstraßen entwickelt. Trotzdem hatte sich danach die Zahl der Brückenflächen mit Bewertung ‚sehr gut‘ oder ‚gut‘ kontinuierlich weiter reduziert.

Im Bericht der Bundesanstalt für Straßenwesen (bast) wird die Salzbachtalbrücke mit der Bauwerksnummer 5915526 geführt und mit Stand 09/2020 mit der Zustandsnote 3,5 bewertet. Das ist nach Definition ein ungenügender Bauwerkszustand bei dem die Standsicherheit und/oder die Verkehrssicherheit erheblich beeinträchtigt oder nicht mehr gegeben ist. Jetzt ist die Brücke gesperrt worden und soll gesprengt werden.

Für das Industrieland Deutschland ist eine intakte Infrastruktur lebensnotwendig. Beim vielfachem Ausfall von Verkehrsverbindungen droht der Infarkt. Was die Störung von Lieferketten für die Wirtschaft bedeutet erleben wir in der Bauwirtschaft derzeit schmerzhaft täglich.

Zurecht erwarten die Bürger, daß die Bauinstandhaltung vom Staat geleistet wird. Es ist aber erkennbar, daß in der politischen Diskussion die Bereitschaft geringer wird, Infrastruktur und Bauunterhaltung zum Gegenstand politischer Willensbildungsprozesse zu machen.

Die Verbände der Bauwirtschaft erfüllen eine wichtige Funktion, wenn sie Verantwortung einfordern und fragen: Wer handelt nicht?

Dipl.-Ing. (FH) BDB Andreas Ostermann
BDB-HESSENFRANKFURT