auf ein WORT: Benjamin Walis

Zukunft Handwerk – Junge Perspektiven im Handwerk: Mein freiwilliges Praktikum bei CUBIC OUTDOOR LIVING: Warum echte Einblicke für Schüler so wichtig sind:

In den Osterferien 2025 habe ich, Benjamin Walis, 14 Jahre alt und Schüler der 8. Klasse an der Realschule Bad Brückenau, ein freiwilliges Praktikum bei der Firma CUBIC Outdoor Living GmbH in Oberleichtersbach absolviert. Dieses Praktikum war für mich nicht nur ein tiefer Einblick in die Arbeitswelt eines modernen Handwerksbetriebs, sondern auch ein Erlebnis, das mir in mehrfacher Hinsicht die Augen geöffnet hat.

Wichtig dabei: Ich habe das Praktikum komplett freiwillig und aus eigenem Interesse gemacht – nicht im Rahmen eines Pflichtpraktikums, sondern aus echter Begeisterung für das Handwerk. Seit meiner Kindheit bin ich handwerklich aktiv – durch Projekte mit meinem Vater und Großvater – und mein Ziel war es, echte Praxiserfahrung in einem professionellen Betrieb zu sammeln.

CUBIC Outdoor Living, ein Unternehmen für exklusive Outdoor-Küchen und Designmöbel, hat mir genau diese Möglichkeit gegeben – und zwar auf Augenhöhe. Schon am ersten Tag wurde ich offen, respektvoll und herzlich empfangen. Ich durfte nicht nur zusehen, sondern selbst mitarbeiten – auch an großen Maschinen und bei anspruchsvollen Aufgaben, weil man mir viel handwerkliches Verständnis zutraute.

Besonders beeindruckt hat mich das positive, fast familiäre Arbeitsklima. Ich wurde von allen Mitarbeitenden sehr freundlich aufgenommen und direkt integriert – sogar beim gemeinsamen Essen. Es war keine steife Firmenatmosphäre, sondern ein echtes Miteinander, das ich so nicht erwartet hätte.

Natürlich habe ich auch gemerkt, wie viel Organisation und Verantwortung in einem Handwerksbetrieb steckt. Ich hatte gedacht, dass die Arbeit schneller vergeht als in der Schule – aber mir wurde bewusst, dass gute Arbeit Konzentration, Ausdauer und Präzision verlangt. Und trotzdem hat es Spaß gemacht, weil ich wusste, dass ich einen echten Beitrag leiste.

Eine große Motivation war auch das Vertrauen, das man mir entgegenbrachte: Am Ende des Praktika wurde mir in Aussicht gestellt, dass ich dort eine Ausbildung machen könnte, wenn ich das in Zukunft möchte. Das hat mir gezeigt, dass mein Engagement gesehen wurde – und dass es Betriebe gibt, die in junge Menschen investieren wollen.

Mein Fazit nach diesen vier Tagen: Solche freiwilligen Praktika sind wertvoll – für beide Seiten. Für mich war es eine echte Orientierungshilfe für meine berufliche Zukunft. Ich konnte hautnah erleben, wie innovativ, vielseitig und menschlich das moderne Handwerk heute ist.

Deshalb wünsche ich mir, dass noch mehr Unternehmen solche Chancen bieten. Nicht, weil sie es müssen, sondern weil sie damit junge Talente entdecken können – und Jugendlichen wie mir die Möglichkeit geben, ihren Weg zu finden. Das ist echte Investition in die Zukunft des Handwerks.

Benjamin Walis

BAUMEISTER in spe

Claudius Walis, Vorstand BDB-HESSENFRANKFURT, und Benjamin Walis, Michael Müller CUBIC OUTDOOR LIVING



AKH-VV: Anträge angenommen – neue Impulse für die Kammer

Tobias Rösinger, Sascha Querbach, Melissa von der Sitt – BDB-HESSENFRANKFURT

Kurze Info zur Vertreterversammlung der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen am 03.06.2025

Als wichtig und begrüßenswert nehmen wir aus der Rede des Präsidenten mit, dass die Architektenkammer zukünftig auch in den Regionen, mit sogenannten „Regionalwerkstätten“ präsent sein wird. Diese Entscheidung resultiert aus den vorangegangenen, etwas sperrig betitelten „Transformationswerkstätten“ die ebenfalls in Nord- und Mittelhessen präsent waren.
Dass die Kammer sich hier öffnet und auf die Mitglieder und damit auf die Menschen in ganz Hessen zugeht, ist sicher ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Vollgepackt mit wichtigen Themen und unseren Anträgen, gestaltete sich die aktuelle Vertreterversammlung:

Interessant mit vielen wichtigen Informationen und Abstimmungen, eine Übersicht der wichtigsten Punkte:

Zum Thema Versorgungswerk referierte der Vertreter unseres Versorgungswerk, der Präsident der Architektenkammer NRW, Herr Architekt Dipl.-Ing. Ernst Uhing.

• Hier wird es zukünftig eine „demokratische Anpassung“ geben und das Versorgungswerk wird unabhängig von der Vertreterversammlung der AKH NRW geführt werden.
Die angeschlossenen Länderkammern (Hessen/Saarland und Bremen) werden dort mit Abordnungen vertreten sein.

• Auf eine Rückfrage zur Sicherheit unserer Renten (es wird aktuell über Unregelmäßigkeiten/Verluste bei anderen Kammern -Bsp. Hessische Ärztekammer berichtet.) konnte er beruhigen, das Versorgungswerk NRW ist hier nicht betroffen.
Zudem soll die Verzinsung der Einlagen ab 1.1.2026 wieder auf 3% angehoben werden.

Der Vortrag hat uns beim Zuhören einiges abverlangt, konnte aber letztendlich viele Fragen klären und sorgte für Offenheit und Transparenz.

Eine wichtige Abstimmung gab es zu den Anträgen zur neuen Beitragsordnung

• Die Beschlussvorlage des Vorstands, in Verbindung mit dem Antrag einiger Verbände wurde angenommen, sodass in Zukunft gilt: Ein Beitrag für Alle, bei dem auch die Angestellten Architekten und Architektinnen den gleichen Beitrag bezahlen, wie alle anderen.

• Ein Gegenantrag von fon für die Überprüfung eines mehrstufigen Beitragsmodells wurde abgelehnt.
Vor allem zu diesem Tagesordnungspunkt wurde heftig und kontrovers, aber auch konstruktiv und offen diskutiert.

Die Fortbildungsordnung war dann am Nachmittag ein wichtiges Thema

• Hier wird es ab 2026, kürzere Zeiträume zum Sammeln der „Punkte“ geben (1 Jahr) und nur noch stichprobenartige Kontrollen. Die Fortbildungspflicht soll bis zur Beendigung der Berufstätigkeit andauern – auch dieser Beschluss wurde mit großer Mehrheit angenommen.

Zur geplanten Architektengenossenschaft ARKO, berichteten Herr Zimmer vom Vorstand und der Hauptgeschäftsführer der AKH, Herr Dr. Kraushaar ausführlich.

• Das Thema ist komplex und wird aktuell noch durch eine Beratungsfirma betreut. Näheres kann sicher bei der nächsten Vertreterversammlung berichtet werden.

Erst gegen 17.00 Uhr konnten wir unsere Anträge präsentieren, die wir gemeinsam mit VfA verfasst hatten

Viele Rückmeldungen aus dem Kollegenkreis haben uns zu unserem ersten Antrag inspiriert:

Die Architektenkammer soll sich mit dem Image von uns Bauschaffenden auseinandersetzen und eine sog. Imagekampagne für unseren Berufsstand initiieren.

Hier hatte die Kammer große Vorbehalte und versuchte zu belegen, dass doch von Kammerseite bereits sehr viel für den Berufsstand getan wird.
Uns ist jedoch wichtig, dass dies auch bei allen Kolleginnen und Kollegen und auch unseren Bauherrschaften ankommt.

Nach einer konsensorientierten Diskussion wurde der Antrag mit leicht abgeändertem Titel (Arbeitsgruppe statt Imagekampagne) und in Verbindung mit einem Antrag des BDA zum Thema: Social Media mit großer Mehrheit angenommen.

Medien wie Instagram und LinkedIn (die der BDB-HESSENFRANKFURT bereits nutzt) sollen auch der Kammer zukünftig die Möglichkeit geben, direkt mit den „Menschen, rund um das Bauen“ in den direkten Kontakt zu kommen.

Wir sind erst einmal vorsichtig zuversichtlich, dass sich hier etwas entwickelt.

Ein weiterer gemeinsamer Antrag zum „Aufräumen von Fördermitteln im Wohnungsbau“ wurde von Martin Pletz vorgestellt und von Tobias Rösinger mit Argumenten unterstützt.

Auch dieser Antrag wurde angenommen.

Gegen 19.00 Uhr war die Vertreterversammlung beendet und lässt uns mit dem Gefühl zurück etwas bewegt und einiges angestoßen zu haben.

Die Zusammenarbeit mit anderen Verbänden, diesmal besonders mit dem VfA hat sich bewährt und
wir freuen uns weiterhin über die Unterstützung der „Mitglieder des BDB HESSENFRANKFURT“, die uns Anregungen zu weiteren wichtigen Themen aufgeben, die wir dann in die Architektenkammer tragen können!


Wir sind offen für Anregungen und bleiben dran, danke!

Melissa von der Sitt, Tobias Rösinger, Olaf Gerstner, Martin Pletz
Elke Rühl, Tobias Rösinger – BDB-HESSENFRANKFURT



WERTSCHÄTZUNG ERHÖHEN – gemeinsamer Antrag an die AKH-Vertreterversammlung

Wir alle wissen, was es bedeutet, eine Architektin oder ein Architekt zu sein. Das jahrelange, herausfordernde Studium absolviert und anschließend die Berufspraxis kennengelernt zu haben.
Sich entschlossen zu haben, ein Mitglied der Kammer zu werden und die Eintragungsvoraussetzungen dafür zu erfüllen. Um letztlich diesen -unseren- Beruf vollends ausüben zu können. Ein Beruf, der viel Verantwortung mit sich bringt.
Wir Architektinnen und Architekten sind Universalisten und Netzwerker:

• verhandeln gekonnt und immer im Sinne der Bauherrschaften mit Behörden, mit Firmen und Fachplanern.
• begleiten die Menschen die ihr „großes Lebensprojekt Bauen“ starten, kompetent und mit psychologischem Feingefühl
• stellen Teams (aus Statikern/Energieberatern/Brandschützern und weiteren Fachplanern) zusammen, die gut und reibungslos im Projekt zusammenarbeiten können.
• halten die ständig steigenden Baukosten und Zeitpläne im Blick und versuchen Lösungen zu finden
• Überwachen die Firmen bei den Bauarbeiten mit vielen Unwägbarkeiten und unzähligen DINs und Vorschriften, die ständig angepasst und erweitert werden.
• Sind letztendlich Manager mit einem umfangreichen und komplexen Aufgabenfeld
Auch die Tatsache, dass Wettbewerbe, die Architekturbüros auffordern Leistungen ohne finanzielle Gegenleistung zu erbringen, ist nicht gerade hilfreich, um die Anerkennung unsere Arbeit auch finanziell wertzuschätzen.

Dass Architekten- wie früher- die Rolle eines Baumeisters inne hatten, was alle Bauleistungen inklusive Fachplanungen umfasste, hat unserem Beruf seinerzeit ein hohes Ansehen verschafft. Natürlich ist dies heutzutage kaum mehr möglich, sei es durch die Komplexität der Aufgabenstellungen oder weil man sich bewusst für eine Spezialisierung entschieden hat.
Ohne Fachplanerinnen oder Fachplaner ist ein Bauvorhaben sowieso undenkbar und wir sind dankbar für verlässliche und kompetente Partner.

Dass Bauen immer komplizierter wird und dass wir uns stets neuen Herausforderungen stellen müssen, müssen wir in dieser Runde nicht weiter erläutern. Doch wie sieht es außerhalb unserer Reihen aus? Wie ist die Wahrnehmung unseres Berufsstandes? Nur leider ist das Bild von Architekturschaffenden in den Hintergrund gerückt und nicht mehr direkt mit Bauaufgaben verknüpft.
Bei gesundheitlichen Beschwerden gehen wir zur Ärztin oder zum Arzt. Wenn wir eine Rechtsberatung benötigen, suchen wir eine Anwaltskanzlei auf.

Wieso denkt man bei uns, trotz Kammerberuf, anders?

Wir müssen wieder präsenter werden.

Wir möchten die Architektenkammer Hessen (unsere berufsständische Vereinigung) dazu anregen, eine Imagekampagne für uns Architektinnen und Architekten zu initiieren.

• mehr Öffentlichkeitsarbeit, zur Sichtbarkeit unseres Berufs, aber vor allem stellen Sie dar, wie wichtig unsere Arbeit für die Gesellschaft ist.
• Stellen Sie Vielfalt der Planerinnen und Planer, der Architekturbüros dar
• Z.B. mit Imagefilmen oder einer Kampagne, ähnlich der des Handwerks oder der Kampagnen, die die Ärzte- und Apothekerkammern initiiert haben?

Wir müssen aus unserer Bubble heraustreten, um mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu bekommen. Wir müssen darüber aufklären, wie unser Berufsbild aussieht und was es bedeutet, eine Architektin oder einen Architekten zu engagieren.
Je mehr Aufmerksamkeit wir erhalten, desto größer wird schließlich auch unser Einfluss auf die Politik.
Unsere Umwelt ist in großen Teilen eine gebaute Umwelt und dahinter stehen Menschen, die mit Ihrem Elan und Engagement an unserer Umwelt bauen, machen Sie diese Menschen (uns alle) sichtbarer!
Lassen Sie uns gemeinsam einen Weg finden, wie dies am besten angehen können!

BDB-HESSENFRANKFURT und VFA-Hessen wollen das ändern und beantragen gemeinsam, die AKH-Vertreterversammlung möge beschließen:

Die Architektenkammer Hessen soll eine Imagekampagne für Architekten und Architektinnen, initiieren – für mehr Wertschätzung unseres Berufstandes, für die Menschen „hinter den Gebäuden“.




Stadtbaukonferenz No. 15

Di. 01.07. 10:00-19:00 Uhr, anschließend Jubiläumsempfang
Mi. 02.07. 9:00-15:00 Uhr

Ausstellung mit Hof-Fotografien von Maximilian Meisse

Die Trennung der Stadt in öffentliche und private Räume stellt schon deshalb eine grundlegende Qualität im Städtebau dar, weil den Bewohnern damit zusätzlich zu ihren Wohnungen Freiflächen, Gärten und Höfe auf dem Grundstück ihrer Mietshäuser zur Verfügung gestellt werden können. Die eigenverantwortliche Organisation von Hof und Garten stärkt das soziale Miteinander und fördert demokratisches Verhalten in der täglichen Auseinandersetzung der Hausgemeinschaft.

Die Konferenz wird die Frage stellen, warum der heutige Städtebau dem Besitzer des Reihenhauses die private Freifläche gewährt, dem Bewohner des Mietshauses aber nicht. In Deutschland leben über 50 % der Einwohner zur Miete. Trotzdem hat das heutige Mietshaus keine privaten Freiflächen, keine Höfe und Gärten, sondern ist vielmehr als freistehender Körper von öffentlichen Freiflächen, dem sogenannten Wohnumfeld, umgeben.

Weitere Informationen zur Stadtbaukonferenz No. 15 finden Sie hier

Die Konferenz wird von der Architektenkammer Berlin, der Architektenkammer Baden-Württemberg, der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen und der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen als Fortbildung anerkannt.




FÖRDERDSCHUNGEL LICHTEN – gemeinsamer Antrag an AKH-Vertreterversammlung

Bundesweit stehen nach Recherchen der AKH im Jahr 2024 derzeit insgesamt rund 180 Förderprogramme, die die Baubranche betreffen, zur Verfügung. Die große Vielfalt und Unübersichtlichkeit entfaltet keine Anreizwirkung in Bezug auf dringend erforderliche Investitionen. Eine Investition in Wohnimmobilien erscheint im Vergleich mit anderen Anlagemöglichkeiten zu risikobehaftet. Der Markt zeigt bei diesen Rahmenbedingungen die rote Karte! Darüber hinaus sind sowohl die Preise für Leistungen des Bauhauptgewerbes als auch der Verbraucherpreisindex in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Im Bauhauptgewerbe waren Preissteigerungen wie letztmalig in den 1970er Jahren zu verzeichnen.

Im vergangenen Jahr forderte die AKH bereits deutliche Verbesserung zu Anreizen im Bereich des Wohnungsbaus. An den Argumenten hat sich bis heute nichts geändert. „Steuerrecht wirkt bedeutend rascher und unbürokratischer als Subventionen über Förderprogramme. Hier sind die Förderbedingungen häufig zu unübersichtlich, vielfach zu komplex und in der zeitlichen Gültigkeit nicht verlässlich. Eine schwankende und zu vielgestaltige Förderkulisse ist offensichtlich nicht das richtige Mittel, um dem aktuellen Stillstand im Wohnungsbau und der Flaute in anderen Bereichen des Bauens wirksam zu begegnen“ und „Wird nicht mit entschlossener Steuerpolitik gegengesteuert, drohen bei einer eklatant niedrigen Anzahl an Baugenehmigungen weiter explodierende Mieten. Nicht gestellte Bauanträge von heute sind nicht gebaute Wohnungen von morgen. Der vorhandene und eher wachsende Bedarf an Wohnungen wird nicht gedeckt!“ Dies formulierten vor einem Jahr Vertreter der Hessischen Architekten- und Stadtplanerkammer anlässlich einer Pressekonferenz im Frankfurter Presseclub.

Positive Signale in diese Richtung sind in dieser Zeit weder aus der Hessischen Landesregierung noch aus den aktuell geführten Koalitionsverhandlungen erkennbar. Stattdessen sollen Mietendeckel und komplizierte Förderprogramme bezahlbaren Wohnraum schaffen. Sicher nicht ohne Grund erläutert Minister Masoori „Es kommt häufig vor, dass Fördermittel aus vorherigen Jahren nicht vollständig abgerufen werden. Bisher flossen diese ungenutzten Mittel in den Gesamtfonds für das kommende Jahr. In diesem Jahr jedoch werden sie erstmals für noch ausstehende Projekte verwendet.“ (Pressemitteilung Sozialer Wohnungsbau vom 28.03.2025)

VFA-Hessen und BDB-HESSENFRANKFURT werden dazu nun gemeinsam aktiv und beantragen, die AKH-Vertreterversammlung möge beschließen:

Die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen setzt sich bei der Hessischen Landesregierung dafür ein, dass unter Mitwirkung aller Bundesländer unter Einbeziehung der Bundesregierung folgende Maßnahmen zur Förderung des Wohnungsbaus und zur Sicherung der Kapazitäten auf dem Bausektor ergriffen werden.

Überprüfung sämtlicher Förderrichtlinien auf ihre Wirksamkeit und Bürokratieabbau bei der Nachweisführung im Falle der Inanspruchnahme von Fördermitteln.

Im Idealfall gegen sofort wirksame Maßnahmen ersetzen, wie Absenkung der Grunderwerbssteuer, Schuldzinsenabzug auch bei eigengenutzten Immobilien sowie eine Sonderabschreibung im Bereich des Mietwohnungsbaus und ggf. eine befristete Absenkung des Mehrwertsteuersatzes auf sieben Prozent für Planungs- und Bauleistungen, soweit sie für den Wohnungsbau bestimmt sind.




Nachruf auf Hans Georg Wagner | 1938 – 2025

Der Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure trauert um Hans Georg Wagner, der am 15. Mai 2025 im Alter von 86 Jahren verstorben ist.

Mit ihm verlieren wir einen der prägendsten Persönlichkeiten in der Geschichte unseres Verbandes. Als langjähriger Präsident (1999–2019) und späterer Ehrenpräsident hat Hans Georg Wagner den BDB über Jahrzehnte hinweg entscheidend mitgestaltet. Sein Einsatz für die planenden Berufe, seine Fähigkeit zum Dialog mit Politik und Gesellschaft sowie sein unermüdliches Engagement bleiben unvergessen.

Hans Georg Wagner war seit 1963 Mitglied im BDB, von 1981 bis 2001 Vorsitzender des Landesverbandes Saarland, danach Vizepräsident und schließlich Präsident des Bundesverbandes. Seine Präsidentschaft war geprägt von Weitsicht, Standhaftigkeit und der festen Überzeugung, dass Architektinnen, Ingenieure und Baumeister eine starke, gemeinsame Stimme brauchen.

Auch über den Verband hinaus war Hans Georg Wagner eine bedeutende Figur des öffentlichen Lebens. Nach dem Architekturstudium und seiner Tätigkeit im staatlichen Hochbau des Saarlandes war er von 1975 bis 1991 Abgeordneter im saarländischen Landtag, anschließend bis 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages. In den Jahren 2002 bis 2005 bekleidete er das Amt des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesministerium der Verteidigung.

Für sein Wirken wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und der Großen Goldenen Bundesnadel des BDB.

Der BDB verliert mit Hans Georg Wagner nicht nur einen herausragenden Vertreter seines Berufsstandes, sondern auch einen verlässlichen Wegbegleiter, klugen Ratgeber und für viele ein persönliches Vorbild. Noch bis zuletzt hatte er vor, am diesjährigen Baumeistertag in Potsdam teilzunehmen. Sein Tod erfüllt uns mit großer Trauer.

Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt seiner Ehefrau Ursula, seinem Sohn und allen Angehörigen.
Wir werden Hans Georg Wagner ein ehrendes Andenken bewahren.




Mitgliederversammlung des BDB-HESSENFRANKFURT im Stadtplanungsamt Frankfurt

Dipl.-Ing. (FH) BDB Andreas Ostermann (1. Vorsitzender BDB-HESSENFRANKFURT) mit Martin Hunscher (Amtsleiter Stadtplanungsamt Frankfurt), Ulrich Caspar (Präsident IHK-Frankfurt am Main), Architekt BDB Tobias Rösinger (Mitglied im Vorstand der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen)

Die Mitgliederversammlung des BDB-HESSENFRANKFURT fand dieses Jahr im Stadtplanungsamt statt. In einem der Mitgliederversammlung vorausgehenden Vortrag informierte Martin Hunscher, Leiter des Stadtplanungsamtes Frankfurt über die aktuellen Projekte und Herausforderungen in der Stadtentwicklung in Frankfurt am Main.

Grundlage der Stadtplanung in Frankfurt ist die neue Leipzig Charta 2020, die urbane Resilienz zum Ziel hat. Danach sind Leitbilder für die Stadtplanung: Dichte, Nutzungsmischung, Innenentwicklung, Gemeinwohlorientierung, Baukultur, sozialer Zusammenhalt und Transformationsfähigkeit. Daraus entstand das integrierte Stadtentwicklungskonzept Frankfurt am Main 2030+.

Aktuelles Vorzeigequartier ist das Klimaschutzquartier Hilgenfeld. Hier sollen exemplarisch neben den o.g. Leitbildern auch die Vorgaben aus dem Baulandbeschluß der Stadt Frankfurt umgesetzt werden.

Ein weiterer Schwerpunkt der Frankfurter Stadtentwicklung ist der neue Stadtteil Frankfurt Nordwest. Die Bereiche jenseits der Autobahn sind aus der Beschlußvorlage herausgenommen worden. Die Planungen beschränken sich aktuell auf die an Niederursel und Praunheim angrenzenden Flächen.

Spannend ist das Konzept der Nutzungsmischung im produktiven Quartier Gutleut-West. Das Nebeneinander vollkommen gegenläufiger Nutzungen ist eine besondere Herausforderung für die Umsetzung durch Architekten und Ingenieure und Bauunternehmen.

Für den Innenstadtbereich wurde der Hochhausentwicklungsplan 2024 mit den neuen Hochhausstandorten vorgestellt. Für neue Hochhäuser wird Nachhaltigkeit eingefordert. Die neuen Gebäude sollen mindestens den Standard KfW Effizienzgebäude 40 einhalten. Seitens der Stadtplanung wird von Projektentwicklern zudem mehr Konzepttiefe gefordert. Wenig qualitätvolle Vorschläge sollen aus der Diskussion gehalten werden.

Weiter wichtiges Themengebiet der Stadtplanung ist die Nachverdichtung. Insbesondere im mittleren Norden wird hier bei diversen vorhandenen Siedlungsstrukturen Potential gesehen.

Dipl.Ing. (FH) BDB Andreas Ostermann bedankt sich sehr bei Martin Hunscher für die Ausführungen und leitet in die offene Diskussion über, die den Anwesenden die Möglichkeit gibt für Nachfragen und auch kritische Stellungnahmen. Insbesondere der Baulandbeschluß wird als Hemmschuh für Projektentwicklung in Frankfurt gesehen. Städtische Vorzeigeprojekte wie das Hilgenfeld, daß aber von einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft finanziert wird, können nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Einschränkung der Freiheit der Investoren zu weniger Wohnungsbau führt. Auch die vielen städtischen Satzungen sind gegenstand der Diskussion. Hier wird gefordert, Satzungen auch wieder zurück zu nehmen und nicht nur immer neue Satzungen einzuführen.

Nach Abschluß des öffentlichen Teils und einer kurzen Pause wurde die den Mitgliedern des BDB-HESSENFRANKFURT vorbehaltene Mitgliederversammlung eröffnet.

Dipl.-Ing. (FH) BDB Andreas Ostermann begrüßt in seiner Funktion als erster Vorsitzender des BDB-HESSENFRANKFURT Ulrich Caspar, Mitglied des BDB-HESSENFRANKFURT und Präsident der IHK Frankfurt am Main, und gibt Caspar die Gelegenheit, zu aktuellen Themen der Bau- und Immobilienbranche aus Sicht der Wirtschaft zu sprechen:
Caspar nimmt Bezug auf den der Mitgliederversammlung vorausgegangenen Vortrag von Martin Hunscher, Leiter des Stadtplanungsamts, und spricht sich klar für die Ansiedlung von Rechenzentren in Frankfurt aus. Er vergleicht die Nachfrage aus der Digitalbranche mit der starken Nachfrage der Finanzbranche nach Gewerbeflächen in der Zeit des Wirtschaftswunders nach dem Krieg und die daraus resultierende positive wirtschaftliche Entwicklung für die Stadt. Digitalisierung braucht entsprechende Infrastruktur. Die Chancen, die sich daraus für Frankfurt ergeben, sollten genutzt werden.

Sehr kritisch äußert sich Caspar auch zum Baulandbeschluss in Frankfurt. Dieser habe mit dazu geführt, dass Projekte nicht in Frankfurt sondern eher außerhalb Frankfurts entwickelt werden. Als Beispiel dafür, daß es nicht funktioniert, sozialen Wohnungsbau losgelöst von den Rahmenbedingungen der Gebäudebewirtschaftung zu platzieren, führt Caspar das Projekt ‘Four Frankfurt‘ an. Die sich aus dem Gebäude ergebenden Nebenkosten für die Wohnungen können von der Zielgruppe für sozialen Wohnungsbau kaum bezahlt werden.

Als weiteren Punkt empfiehlt Caspar, den Umfang städtischen Satzungswesens stark zurückzunehmen. Insbesondere die Stellplatzsatzung sei ein aus der Zeit gefallenes Instrument. Andere Städte – wie beispielsweise Berlin – zeigen, dass ohne eine feste Stellplatzsatzung in Summe gar nicht weniger Stellplätze gebaut werden als mit Stellplatzsatzung. Die Bauherren entscheiden nur zielgenauer, ob für ihr Projekt keine Stellplätze oder sogar mehr als nach einer früheren Stellplatzsatzung erforderlich sind.
Als weiteres Beispiel für eine zu überdenkende Satzung führt Caspar die Vorgartensatzung an. Die für erholungswert und sozialen Zusammenhalt wertvolleren Räume könnten beispielsweise in den Innenhöfen der Gründerzeitviertel geschaffen werden. Stattdessen ist Realität, dass seitlich am Haus vorbei eine versiegelte Fahrstraße verläuft und im Hof Flächen für’s Parken und als Mülltonnenstandplätze freigehalten werden. Die Vorgartensatzung verhindert, daß die Funktionsbereiche bestmöglich von Architekten dort geplant werden können, wo sie für das jeweilige Projekt am sinnvollsten sind.
Insgesamt würde eine Reduzierung des Satzungswesens dem Architekten oder dem gestaltenden Ingenieur mehr Freiheit geben, die wir dringend brauchen, wenn wir zu mehr Wohnungsbau kommen wollen.

Nach Abschluß des Austauschs zum Diskussionsbeitrag von Ulrich Caspar wird nach der Tagesordnung der regulären Mitgliederversammlung vorgegangen:

Seitens des Vorstands wird zu den Aktivitäten 2024 berichtet. Erfreulich ist die gelungene Wiederaufnahme der Veranstaltungsreihe BDBimDAM sowie die Baustellenbesichtigungen. Im Sinne unserer berufspolitischen Belange ist auch der Dialog mit den Fraktionen im hessischen Landtag zielführend. Dazu gekommen ist der Austausch mit den Bauämtern in Frankfurt, Wiesbaden und Offenbach.
Hervorgehoben wird besonders die wichtige Funktion des BDB-HESSENFRANKFURT als Koordinator der Impulse für den Wohnungsbau. Die Initiative bündelt die Interessen der Wertschöpfungskette der Baubranche wie keine andere und ist klare Positionierung für bezahlbares Wohnen in Hessen.

Architektin BDB Elke Rühl, Referat Öffentlichkeitsarbeit, verweist bzgl. ihres Aufgabenbereiches auf den als Tischvorlage vorliegenden Pressespiegel. Schwerpunkt ihrer eigenen Arbeit ist das Engagement in der AKH. Ein großer Erfolg war dabei das Ergebnis der AKH-Wahl Anfang des Jahres 2024. Der BDB-HESSENFRANKFURT hat den größten prozentualen Zuwachs aller zur Wahl stehenden Organisationen verzeichnen können und ist mit Kollegen Rösinger im Vorstand und mit 5 Sitzen in der Vertreterversammlung vertreten.

Ergänzend wird Architekt BDB Tobias Rösinger als höchster Vertreter des BDB-HESSENFRANKFURT in der AKH die Möglichkeit gegeben, über die Arbeit in der AKH zu berichten:
Die Arbeit der AKH – insbesondere im Vorstand – wird weniger auf den Blickwinkel gewerblicher Architekten und der Arbeitsrealität kleiner und mittlerer Architekturbüros ausgerichtet. Vielmehr scheinen eher die Denkweise großer Architekturbüros prägend. Für die Positionierung der Interessen kleiner und mittlerer Architekturbüros sollen stärker Kooperationen mit Verbänden und Wahlgruppen ähnlicher Interessenslage gesucht werden.

Der Kassenbericht wird von Kollege Dr. h.c. Jörg-Uwe Hahn erläutert. Kkollege Rainhard Schott trägt den Kassenprüfbericht vor und beantragt Entlastung für den Vorstand, die einstimmig erteilt wird. Ebenso wird der neue Haushaltsplan einstimmig angenommen.

Ehrung 40-jährige Mitgliedschaft Architekt BDB Joachim Schneider, Ehrung 50-jährige Mitgliedschaft Hans-Peter Heffels

Ein besonderes Anliegen ist es, Mitgliedern für Ihre langjährige Mitgliedschaft zu danken. In diesem Jahr wurden Joachim Schneider für 40-jährige Mitgliedschaft und Hans P. Heffels für 50-jährige Mitgliedschaft geehrt. Der BDB-HESSENFRANKFURT dankt mit Ehrennadel, Urkunde und Präsent für die Treue und die Förderung der berufspolitischen Belange.

BDB-HESSENFRANKFURT




KOSTEN SENKEN: FDP-Politiker informiert sich bei Architekt BDB Carsten R. Kulbe über Projekt Elmland 1

Jörg-Uwe Hahn und Sebastian Papke waren Gäste von Carsten Kulbe und seiner Tochter Katharina Jürgensen (von links). – Foto: Bensing & Reith

Die Nachfrage nach den Wohnungen im Wohnkomplex „Elmland 1“ gleich am Rande der Innenstadt Schlüchterns ist ausgesprochen gut: Noch vor Fertigstellung sind zwei Drittel der Wohnungen verkauft. In Zeiten von steigenden Material- und Wohnkosten verblüfft dies vielleicht. Doch Architekt und Bauherr Carsten R. Kulbe sagt: „Überlegte Planung spart Kosten ein.“

Durch kluge Detaillösungen und die teilweise Verwendung vorgefertigter Bauelemente seien die Wohnungen bezahlbar, erklärte Kulbe während des Besuches des früheren stellvertretenden Ministerpräsidenten Jörg-Uwe Hahn (FDP), der auch Vorstandsmitglied im BDB-Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure ist. Mit ihm war sein Parteifreund, der Frankfurter Stadtverordnete Sebastian Papke, nach Schlüchtern gekommen.

Die FDP-Politiker interessieren sich für das kosteneffiziente Bauen. Kulbe und Papke hatten sich zuvor in Frankfurt bei einer Veranstaltung zum Thema Wohnen getroffen und sich über die prekäre Situation am Markt ausgetauscht. Beide engagieren sich leidenschaftlich für die Schaffung von ausreichend Wohnraum in der Region.

Papke sagte: „In Frankfurt explodieren die Wohnpreise. Das kann so nicht weitergehen. Wir müssen Wege finden, um die Baukosten runterzufahren und das Bauen an sich für Privatleute wieder attraktiv zu machen.“ Und Jörg-Uwe Hahn ergänzte: „In Frankfurt gibt es aktuell zu wenig Wohnraum. Wir müssen anfangen, mehr zu bauen. Dafür müssen auch bürokratische Hürden abgebaut und neues Bauland ausgewiesen werden. Das sind die entscheidenden Schritte.“

Großteil der Kosten wurde durch vorausschauende Vertragsgestaltungen und zuverlässige Partner gehalten

Carsten Kulbe gab Einblicke in die Entstehung des Wohnkomplexes in Schlüchtern. Der Startschuss fiel Mitte 2021, also in einer Zeit, „in der wir wegen der Pandemie mit Material- und Personalengpässen zu kämpfen hatten“, sagte Kulbe und ergänzte: „Wir haben glücklicherweise schon vor Baustart mit zahlreichen Partnern Verträge geschlossen. Dadurch konnten Preise stabil gehalten werden. Und wir haben frühzeitig ausreichend Baumaterial direkt auf das Grundstück liefern lassen, sodass wir nahezu planmäßig mit dem Errichten der Gebäude beginnen konnten.“

Der Großteil der Kosten aber wurde durch vorausschauende Vertragsgestaltungen und zuverlässige Partner im Handwerk im Rahmen gehalten: „Unsere Gebäude haben viele sich wiederholende Elemente, wie Haustüren, Balkonanlagen, oder auch Fenstertypen. Das ist insgesamt in der Herstellung günstiger“, sagt Kulbe. Für das Elmland habe man sich beispielsweise nur für zwei Grundformate der Fensterelemente entschieden. „Und wir haben auf Gauben und verwinkelte Dächer verzichtet, die außer zusätzlichen Kosten nichts gebracht hätten“, sagte Katharina Jürgensen, Tochter des Bauherrn und ebenfalls Architektin. Durch die klare Aufteilung des Gebäudes könnten die Wohnungen auch einfacher möbliert werden.

Im Gespräch mit Sebastian Papke und Jörg-Uwe Hahn betonte Carsten Kulbe: „Unsere Materialien sind nicht billig. Das verwechseln viele. Aber wir haben überlegter und rationaler gebaut.“ Abschließend sagte er: „Kosten können durch überlegte Handlungen eingespart werden. Das ist Fakt. Unser Elmland 1 ist dafür ein gutes Beispiel.“




Trotz Reden von Entbürokratisierung entsteht ein neues Bürokratiemonster

‘Das ist in der EU schon beschlossen – das kommt. Wir haben nur noch die Möglichkeit, im Rahmen der Umsetzung in nationales Recht das Schlimmste zu verhindern oder das Bestmögliche für uns rauszuholen.‘ – So oder so ähnlich wird oft von führenden Interessensvertretern in Verbänden geredet und damit eine grundsätzliche Diskussion zu einem Thema automatisch gänzlich ausgeblendet. Gerade diese grundsätzliche Diskussion ist es aber, die zugelassen werden muß – der eigenen Interessen wegen.

Derzeit entsteht in der EU (Europäischen Union) ein neues planwirtschaftliches Bürokratiemonster. Vor einigen Jahren schon wurde in der EU im Rahmen des Green Deal die Taxonomie-Verordnung auf den Weg gebracht. Ein wirkmächtiger Hebel, der am Finanzmarkt ansetzt und so geschickt die Diskussion der tatsächlich Betroffenen in der Bauwirtschaft umgeht. Als wesentliches Element wird im Rahmen der Taxonomie-Verordnung die Einführung von Gebäudelogbüchern gesehen. Das sogenannte DBL (Digital Building Logbook) soll, wie bei einem Pass, alle Eigenschaften eines Gebäudes erfassen und so zu einem wesentlichen Element für eine klimaschonende Kreislaufwirtschaft im Baubereich werden.
Das benannte Ziel, eine zirkuläre Baukultur zu erreichen, d.h. den Material- und Ressourceneinsatz zu verringern und die Nutzungsdauer von Materialien zu verlängern, ist ehrenwert und sicher ohne Gegenrede. Der eingeschlagene Weg, dafür aber ein vollkommen unverhältnismäßiges Erfassungs- und Überwachungssystem für den Bau einzuführen, wird scheitern. Der Aufwand bildet sich nicht in Mehrwert ab.

Die EU Taxonomie-Verordnung regelt für Bürogebäude bspw. bis zum Wasserdurchfluß in Toiletten, Urinalen und Duschen, was verbraucht werden darf, um in die Kategorie mit Vermeidung erheblicher Beeinträchtigungen für das Klima zu kommen. Hanebüchen der Anspruch, die Einhaltung der Vorgaben dauerhaft von Spanien bis Finnland und Bulgarien überwachen zu wollen.

Es ist diese Regelungswut bis an den Wasserhahn und bis in den Heizungskeller, die freie Bürger herausfordert, grundsätzlich Diskussion einzufordern. Denn diese ist mehr als notwendig:
Warum können gewünschte Ziele nicht mit Anreizen wie bspw. der CO2-Bepreisung oder Auflagen zur Abfallentsorgung allein erreicht werden? Ein dem freien Spiel des Marktes überlassener Wettbewerb begünstigt bestmöglich innovative Neuerungen und macht CO2-Zählen im Planungsprozess obsolet.

Digitale Gebäudelogbücher erfordern eine vollumfängliche Digitalisierung des sehr komplexen Bauprozesses. Dabei stehen Aufwand und Nutzen aktuell in keinem annehmbaren Verhältnis.
Mit BIM steht schon seit Jahren eine Einzelbauteile und Bauteilqualitäten abbildende Digitalisierungstiefe zu Verfügung, die es aber aufgrund des zu hohen Aufwands von alleine bisher nicht zum grundsätzlichen Standard für alle Planungen geschafft hat. Auch dauerhafte Bestandshalter erkennen keinen wirtschaftlichen Vorteil und fordern BIM daher nicht grundsätzlich in all ihren Planungsprozessen nur der digitalen Bestandspflege wegen.

CO2-Zählen wollen die Meisten, die aus kreativem Ansporn und mit dem Willen zur Gestaltung den Weg zur Architektur gefunden haben, nicht. Es darf kritisch hinterfragt werden, ob es überhaupt getan werden muß.




Mut zur Veränderung ist jetzt da – und das ist gut so!

Das Baupaket 1 liegt als Gesetzesvorlage vor. Weitere müssen folgen.

Große Zustimmung der ‘Impulse für den Wohnungsbau – HESSEN‘ dafür, daß seitens des Wirtschaftsministeriums viele Vorschläge für Veränderungen der hessischen Bauordnung (HBO) aufgenommen wurden und jetzt eine Gesetzesvorlage auf dem Tisch liegt, die in die richtige Richtung zeigt.

Nicht in jedem Punkt geht der Abbau der Vorschriften so weit, wie von vielen Branchenvertretern gewünscht. Und nicht alle Bereiche sind gleich berücksichtigt.

„Insbesondere der Neubau brauchen noch stärkere Vereinfachungen – darauf muß in den nächsten Baupaketen der Fokus liegen,“ so Gerald Lipka, Sprecher der ‘Impulse für den Wohnungsbau – HESSEN‘.

Aber es wird wohltuend wahrgenommen, daß die lange praktizierte politische Praxis, Reformbedarf abzumoderieren, jetzt einem klaren Handlungswillen gewichen ist.

Die aktuelle Dynamik soll genutzt werden, auch die Positionen der ‘Impulse für den Wohnungsbau – HESSEN‘ neu zu platzieren. Der Vorschlag des BDA Hessen, die wohnungspolitischen Forderungen der Initiative neu zu formulieren, trifft auf sehr große Zustimmung unter den Teilnehmern. Inhalte dazu sollen dann parallel zu den Beratungen zum Baupaket 2 veröffentlicht werden.

Wertvoll sind die Positionen der ‚Impulse für den Wohnungsbau – HESSEN‘ insbesondere deshalb, weil sie Ergebnis einer Abstimmung der gesamten Wertschöpfungskette der Bau- und Immobilienbranche sind. Ein anderes Format, in dem Bauherren, Planer, Bauausführende der Arbeitgeber- wie der Arbeitnehmerseite und private sowie öffentliche Immobilienhalter vertreten sind, gibt es sonst nicht.

Die Initiative ‚Impulse für den Wohnungsbau – HESSEN‘ hat diesmal in Frankfurt in den Räumen des BDA-Hessen getagt. Die nächsten Abstimmungen sind online und virtuell geplant. Ein nächster Präsenztermin soll dann im Herbst in Wiesbaden stattfinden.