Bund muss ‚Wohnungsbau-Hebel‘ umlegen – 6-Punkte-Plan vorgelegt

Top-Akteure kritisieren schwarz-roten Stillstand im Wohnungsbau

Stillstand im Wohnungsbau: Das bundesweit größte Branchen-Bündnis der Bau- und Immobilienwirtschaft warnt vor weiteren Einbrüchen beim Neubau von Wohnungen. In diesem Jahr werde deren Zahl voraussichtlich noch einmal deutlich zurückgehen. Die Branche erwartet ein Minus von knapp 50.000 auf dann nur noch gut 200.000 Neubauwohnungen. Der „Wohnungsbau-Turbo“ der Bundesregierung habe in den ersten zwanzig Wochen der schwarz-roten Koalition noch nicht gezündet, so die Kritik des Bündnisses. In ihm haben sich rund dreißig Verbände und Organisationen zur Aktion „Impulse für den Wohnungsbau“ zusammengeschlossen.

Die Top-Akteure des Wohnungsbaus in Deutschland legen heute einen an Parlamentarier, Bundesregierung und Parteispitzen gerichteten Forderungskatalog für mehr Wohnungsbau vor. Sie rufen die Bundesregierung dazu auf, ihre Koalitionsversprechen einzuhalten. „Die Weichen dafür werden vor allem auch im Bundeshaushalt gestellt. Und dabei kommt der Wohnungsbau im kommenden Jahr deutlich zu kurz“, so das Wohnungsbau-Bündnis.

Es sei höchste Zeit, dass der Staat den sozialen und bezahlbaren Wohnungsbau sowie die Bildung von Wohneigentum deutlich besser fördere. Mit einem Etat für das Bundesbauministerium, der lediglich um 226 Millionen Euro im kommenden Jahr steigen soll, sei das allerdings nicht zu machen. Wieder mehr rollende Bagger, die Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) zum Regierungsstart versprochen hatte, sind nach Überzeugung der Branchen-Verbände damit „sicher nicht in Sicht“.

Deutschland stecke tief in der Wohnungsbaukrise. Und rutsche immer noch tiefer hinein. „Tag für Tag verliert der Wohnungsbau Kapazitäten: Die Beschäftigung im Wohnungsbau geht seit drei Jahren zurück. Gleichzeitig steigen die Insolvenzzahlen am Bau. Die Politik muss deshalb dringend den Hebel umlegen und den Wohnungsbau als wichtigsten Motor der Binnenkonjunktur wieder ankurbeln“, so die Mahnung des Wohnungsbau-Bündnisses.

Immerhin habe die Bundesregierung mehr Sozialwohnungen versprochen und wolle den Neubau von Sozialwohnungen im kommenden Jahr mit 500 Millionen Euro mehr im Bundeshaushalt fördern. „Auch wenn die Tendenz richtig ist – das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn nach wie vor fallen deutlich mehr Sozialwohnungen aus dem Markt als neue gebaut werden: Die Talfahrt beim Sozialwohnungsbestand geht im nächsten Jahr also weiter. Zur Erinnerung: In der alten Bundesrepublik gab es Ende der 80er-Jahre 4 Millionen Sozialwohnungen. Heute sind es in ganz Deutschland nicht einmal mehr 1,1 Millionen“, so das Bündnis.

Wenn die Bundesregierung mehr Wohnungsbau wolle, müsse sie auch deutlich mehr Geld investieren und Bauprojekte effektiver unterstützen. „Denn jede Wohnung wird zuerst politisch gebaut“, so die Wohnungsbau-Verbände. Dazu sei es vor allem notwendig, die Förderpraxis des Bundes „gründlich zu durchforsten und neu auf die Beine zu stellen“. Hier müsse insbesondere auch die staatliche Förderbank KfW ihre Programme umbauen.

Förderungen müssten praxisnah sein und deshalb zusammengelegt, für mehr Bauprojekte geöffnet und deutlich einfacher werden: „Staatliche Unterstützung darf sich nicht länger hinter hohen Hürden verschanzen. Ein Förderdickicht, enorme Bürokratie und übertrieben hohe Auflagen hemmen den Neubau und Sanierungen“, so das Bündnis.

So müsse es in Regionen mit besonders angespannten Wohnungsmärkten eine gezielte Schwerpunktförderung für den sozialen Wohnungsbau geben. Zudem wäre gerade im preissensiblen sozialen Wohnungsbau eine Steigerung der Fördereffizienz durch die Einführung regionaler Regelstandards für vereinfachtes Bauen wirksam.

Der Wohnungsbau brauche jetzt einen „tatsächlichen politischen Push“. Ein wichtiges Instrument, das der Bund dabei wesentlich intensiver nutzen müsse, seien Steueranreize. Darüber hinaus sollte er Menschen, die als Mieter auf ein Wohnen im Eigentum umsteigen wollen, bei fehlendem Eigenkapital unterstützen.

Potenzial zur kurzfristigen Aktivierung von Wohnungen sieht das Wohnungsbau-Bündnis bei Baugenehmigungen, die angesichts der veränderten Marktbedingungen auf Eis liegen: „Es geht darum, den Bauüberhang zu aktivieren. Um diese Wohnungen doch noch zu realisieren, muss die von der Bundesregierung vorgesehene EH55-Förderung schnell, verlässlich und auskömmlich eingeführt werden.“

Darüber hinaus fordert das Wohnungsbau-Bündnis, ein wichtiges schwarz-rotes Koalitionsversprechen für den Neubau bezahlbarer Wohnungen umzusetzen: So sollen durch günstige Finanzierungsangebote und Garantien des Staates die Baukosten so gesenkt werden, dass in angespannten Wohnungsmärkten die Neubaumieten 15 Euro pro Quadratmeter nicht mehr übersteigen.

Ein weiterer wichtiger Punkt für das Branchen-Bündnis sind die Baukosten: Um diese nicht weiter durch Gesetze, Verordnungen und Normen nach oben zu treiben, müsse das Kosten-Nutzen-Verhältnis künftig im Fokus politischer Entscheidungen stehen. „Die Kostenexplosion durch überzogene Auflagen müssen Bund, Länder und Kommunen stoppen und zurückschrauben“, fordert das Wohnungsbau-Bündnis.

Außerdem sei es notwendig, die Musterbauordnung weiterzuentwickeln und die Landesbauordnungen zu harmonisieren. Der Bund-Länder-Pakt sei zu nutzen, um Planungen, Genehmigungen und den Bau weiter zu beschleunigen. Ziel müsse es sein, Genehmigungsverfahren zu vereinfachen, zu digitalisieren und zu standardisieren.

Kein Neubau ohne Bauland: Der Bund solle Kommunen – etwa durch die Abgabe von Liegenschaften – dabei unterstützen, bezahlbares Wohnbauland bereitzustellen. Es sei notwendig, „strategische Flächenreserven“ in den Regionen aufzubauen. Für dringend gebrauchten Wohnungsneubau müsse es eine effiziente Nutzung von Flächen geben – auch im Außenbereich, insbesondere in den Regionen mit starkem Wohnungsmangel.

Positionspapier Wohnungsbau schnell und konsequent stärken_IW-Bund




SophienHofAbende – Gebäudekühlung I Stromspeicher I Lüftungsanlagen

Die SophienHofAbende werden auch im 2. Halbjahr 2025 fortgesetzt. Am 23. September startet die nächste Veranstaltungsreihe. Alle Vortragstermine finden als Online-Veranstaltung via ‚Microsoft Teams‘ statt. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Der BDB-HESSENFRANKFURT ist Partner der ABGnova, die die Veranstaltungen durchführt.

Das neue Programm finden Sie zum Download hier.

Die Anmeldung zu den Veranstaltungen kann hier erfolgen.

BDB-HESSENFRANKFURT




Sommerfest der AKH

Die Architektenkammer lädt ein „zum Netzwerken“ im Garten

Zwar hatte die in der Einladung angekündigte Staatssekretärin Ines Fröhlich aus dem Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum, kurzfristig abgesagt, dennoch bot sich im Garten der AKH ein schöner Sommerabend zum Austausch unter Kollegen und Kolleginnen.

Die Veranstaltung hätte durchaus einige Teilnehmer mehr verkraftet, es stellt sich die Frage, warum nicht großzügiger eingeladen wurde?

Ein Gewinn war sicher die vorab stattfindende Begrüßung der neuen Mitglieder.
40 neue Architektinnen und Architekten waren gekommen und wurden mit einem kleinen Präsent und einem guten Vortrag zu Resilienz begrüßt.

So konnten gute Gespräche mit den Neumitgliedern geführt, interessante Kontakte geknüpft und ganz nebenbei auch für die Verbandsarbeit geworben werden.

Der Garten der AKH hat Potential und sollte zukünftig noch mehr genutzt werden, für eine offene und zugewandte Architektenkammer.




BDB im DAM: Das sanierte Haus des DAM

Yorck Förster im sanierten Haus des DAM

Nach mehr als 3 Jahren Sanierung und BDB-Führungen im Ausweichquartier DAM-Ostend (Henschelstraße) konnte das Deutsche Architekturmuseum am 1.6.25 wieder geöffnet werden. Anlässlich der Wiedereröffnung fand am 2. Juli 2025 eine gut besuchte Führung mit Herrn Yorck Förster statt um den Sanierungsumfang zu erläutern und noch einmal die grundlegenden Entwurfsideen aus den späten 70ern aufzuzeigen und Namen wie Heinrich Klotz (Gründungsdirektor des DAM) und Oswald Mathias Ungers (Architekt des DAM) wieder in Erinnerung zu rufen.

Kleinere Renovierungen gab es zwar auch in den beiden letzten Jahrzehnten, jedoch war die aktuelle Sanierung wohl die umfangreichste und gleichzeitig am wenigsten bemerkbare, da das grundlegende Raumkonzept von Ungers dabei unverändert bleiben musste. So haben sich die Arbeiten im wesentlichen um Belange der technische Infrastruktur und die energetische Ertüchtigung gedreht. Erstmals gibt es jetzt in den meisten Ausstellungszonen eine angemessene Klimatisierung, was die Besucher am bisher heißesten Tag hautnah erleben durften. Neben der kompletten Erneuerung der Sanitärbereiche im Untergeschoss wurden Anpassungen des Brandschutzes vorgenommen und die Wegeführung zur Entfluchtung geändert.

Eine neue auch als Sonnenschutz wirksame MicroShade-Verglasung rundete die Sanierungsarbeiten ab.

Mit der ‚Auftaktveranstaltung‘ des BDB ist hierdurch ein hoffentlich neuer Start zu weiteren Veranstaltungen gelungen.




Große Feier zum 40. Geburtstag des Architekturbüros Carsten Kulbe

Nico Bensing, Carsten R. Kulbe, Tobias Rösinger, Andreas Ostermann, Matthias Möller

„Wichtiger und kritischer Ratgeber“

Das Architekturbüro buero kulbe hat seit seiner Gründung im Jahr 1985 Maßstäbe gesetzt und viel für den Städtebau getan. Insgesamt 1200 Wohneinheiten hat Carsten Kulbe mit seinem Team neu gebaut oder saniert. Bei der Feier zum 40. Geburtstag auf dem Firmengelände Elmland 1 in Schlüchtern mit mehr als 100 geladenen Gästen würdigten die Redner besonders die Verdienste, den Mut und die Kreativität des Firmengründers.

„Wir sind dankbar für dein Wirken. Du bist ein wichtiger Ratgeber, der auch kritisch ist“, sagte Schlüchterns Bürgermeister Matthias Möller in Richtung Kulbe. Besonders die Entwicklung des ehemaligen Knothe-Areals sei eine wichtige Säule beim Städtebau in Schlüchtern. Auch das Post-Gelände in der Innenstadt sei ein tolles und wichtiges Projekt, das bei Kulbe in den besten Händen liege. Und besonders wichtig sei, so Möller, dass Carsten Kulbe eine Nachfolgerin aus der eigenen Familie habe. „Ich kenne seine Tochter Katharina Jürgensen aus gemeinsamen Studienzeiten. Sie war schon zu dieser Zeit wissbegierig und zielstrebig“, sagte Möller. Deshalb mache er sich um die Zukunft des Büros keine Sorgen.

Auch Landrat Thorsten Stolz freute sich, dass die Nachfolge im Hause Kulbe bereits geregelt sei. „Wir kennen Sie als verlässlichen Partner, der etwas bewegen will“, sagte Stolz, der von „40 Jahren Begeisterung für die Region“ sprach. Kulbe habe sich nie vor schwierigen Projekten gescheut. „Auf der grünen Wiese kann jeder bauen“, so der Landrat, „aber Carsten Kulbe übernimmt Aufgaben, an die sich nicht jeder herantraut.“

Kulbe bezeichnete das Jubiläum als einen denkwürdigen Tag, auf den er sehr stolz sei. Und mindestens genau so stolz ist der Architekt auf seine Tochter Katharina, mit der er eng und vertrauensvoll zusammenarbeitet. Er blickte zurück auf das Gründerjahr 1985. In dieser Zeit wurden 284.500 Wohnungen jährlich gebaut, heute seien es 215.000 pro Jahr. „Es geht nach einer Flaute wieder aufwärts“, sagte Kulbe, der mit einem Blick in die Zukunft „jedem raten würde, einen Handwerksberuf zu lernen“.

Nico Bensing, Gesellschafter der Kommunikationsagentur Bensing & Reith, moderierte eine Talkrunde, an der neben Kulbe und Bürgermeister Möller auch der Architekt Tobias Rösinger, Vorstandsmitglied der Stadtplanerkammer Hessen, sowie Andreas Ostermann, Vorsitzender des Bunds Deutscher Baumeister Hessen, teilnahmen.

„Bauen früher und heute“ war das Thema der Runde, bei der nicht mit Kritik am Bürokratismus der Behörden gespart wurde. „Und natürlich müssen wir es schaffen, den Fachkräftemangel zu beheben“, sagte Andreas Ostermann.

Nico Bensing stellte zum Abschluss der Runde an alle Beteiligten die nicht ganz ernst gemeinte Frage, welches Projekt sie gerne verwirklichen würden, wenn sie einen Wunsch frei hätten. Carsten Kulbe würde gerne ein „Hochhaus in Schlüchtern“ bauen, Andreas Ostermann den „Transrapid von Hamburg nach Berlin“ verwirklichen, Tobias Rösinger einen „Raketenbahnhof“ errichten und Matthias Möller entsprechende Maßnahmen für den „Hessentag 2029 in Schlüchtern“ einleiten.

In guter Stimmung gingen die Gäste zum gemütlichen Teil der hervorragend organisierten Veranstaltung über. Bei kühlen Getränken und leckerem Essen lauschten sie dabei den Klängen der Jazzband „Trio Mayence“.




Pink Summer im Garten der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen

Referentinnen

PINK SUMMER – Eine Hommage an die Frauen in der Baukultur

Eine Veranstaltung im Rahmen des bundesweiten WIA-Festival 2025 und als Auftakt für den „Tag der Architektur 2025“ (28. und 29. Juni 2025).

Ein rundum gelungener Abend im Garten der AKH!

Bereits zu Beginn der Veranstaltung um 19.00 Uhr präsentiert sich der Garten der Kammer offen und entspannend.
Die Vizepräsidentin der AKH, Gabriele Schmücker-Winkelmann eröffnet den Abend im sommerlichen Garten mit einem „Interdisziplinärer Kammerfenster-Talk“ zum Thema „Vielfalt Bauen“.
Es sind drei interessante Referentinnen eingeladen, die unter der Moderation von Anna Scheuermann (Architektin/Kuratorin/Autorin, Offenbach am Main) die Zuschauerinnen (und auch einige Zuschauer) begeistern
.
Prof. Anke Mensing, Architekt¬in/Büropartnerin, opus Architekten BDA, Darmstadt und Hochschule Darmstadt, www.opus-architekten.de
Prof. Sabine Keggenhoff, Innenarchitektin/Architektin/Büropartnerin, KEGGENHOFF I PARTNER, Arnsberg-Neheim und Hochschule Detmold, www.keggenhoff.de
Prof. Dr. Constanze Petrow, Landschaftsarchitektin, Hochschule Geisenheim, www.hs-geisenheim.de

Ruhige Musik, Sitzinseln und mehrere – schön angerichtete und leckere – Buffets, laden im Anschluss an die Tak-Runde ein, zum entspannten Austausch und Netzwerken.
Interessante Menschen, die Anwesenheit der Geschäftsführung der Kammer, aber auch wichtige Gäste, wie die Amtsleiterin des Bauamts Wiesbaden, Frau Matzenauer, runden den Abend ab.
Zum Abschluss des sommerlichen Abends, zeigt eine interaktive Lichtshow, das Kammergebäude einmal von einer ganz anderen – bunten – Seite.

Ein großes Dankeschön, geht an das Orga-Team aus Freiwilligen, das mit einer sehr guten Planung und großem Einsatz, maßgeblich zum Gelingen dieses Abends beigetragen hat.

Die Architektenkammer hat überrascht, ein Garten mit Außenwirkung und Potential!

Wenn sich die Kammer in dieser Richtung weiterentwickelt, wäre schon ein Teil unseres Antrags von der letzten Vertreterversammlung erfüllt.

Wir sind gespannt auf mehr!




ENTBÜROKRATISIERUNG BEIM BAUEN

v.l.n.r.: Dimitri Schulz (Wohnungsbaupolitischer Sprecher der AfD-Fraktion im hessischen Landtag), Dipl.-Ing. (FH) BDB Andreas Ostermann (1. Vorsitzender BDB-HESSENFRANKFURT), Andreas Lichert (stellvertretender Fraktionsvorsitzender AfD-Fraktion im hessischen Landtag)

400.000 neue Wohnungen jedes Jahr, Baukosten halbieren, Fachkräftebasis sichern – an politischen Zielvorgaben der regierungsseitig Handelnden mangelt es nicht. Die bisher ergriffenen Maßnahmen haben aber noch nicht dazu geführt, daß diese Ziele erreichbar scheinen. Im Rahmen der Gesprächsreihe DIALOG POLITIK des BDB-HESSENFRANKFURT sprechen Andreas Lichert, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der AfD-Fraktion im hessischen Landtag, und Dimitri Schulz, zuständig für Wohnungsbaupolitik in der AfD-Fraktion, über ihre Konzepte für einen Impuls für die Bau- und Immobilienwirtschaft:

„Freiheit ist das, was am meisten fehlt,“ startet Andreas Lichert den Dialog. „In guten Zeiten ist das Bauen mit Vorschriften überfrachtet worden. Wir müssen dem Bauen die Freiheit zurück geben. Dafür braucht es umfassende Reformen.“

„Insgesamt sind die bisher eingeleiteten Reformansätze viel zu zaghaft. Mit dem Drehen an nur kleinen Stellschrauben wird der große Impuls für den Wohnungsbau ausbleiben. Die Bauordnung muss tiefgreifend von bevormundendem Ballast befreit werden und sich auf die drei wesentlichen Kernthemen reduzieren, die zwingend bauordnungsrechtlich geregelt werden müssen: Statik, Brandschutz, Nachbarschaftsrecht,“ sagt Dimitri Schulz und verweist dann auch gleich direkt auf einen weiteren Umstand, warum sich beim Wohnungsbau keine Trendwende andeutet: „Problematisch ist, daß kleine Schritte in die richtige Richtung durch große investitionshemmende neue Bürokratiemonster wie das Leerstandsgesetz konterkariert werden. Die Zahl derer, die in Wohnungsbau investieren wollen, ist kleiner geworden. Man kann nicht gleichzeitig aufs Gas und die Bremse treten und sich wundern, dass es nicht vorangeht.“

Der BDB-HESSENFRANKFURT sieht im aktuell diskutierten Baupaket I gute Ansätze, die den Wohnungsbau erleichtern werden. Der Umfang reicht aber bei weitem nicht aus, um die eingangs benannten Ziele zu erreichen. „Hier muß noch mehr getan werden. Und weitere Baupakete müssen folgen und schneller in das Gesetzgebungsverfahren eingebracht werden. Aber wir wollen die ersten Ansätze von Reformen durchaus loben. Wir brauchen nur viel mehr davon.“ so Dipl.-Ing. (FH) BDB Andreas Ostermann.

Unterschiede gibt es bei der Einschätzung der Vorteile einer Vereinheitlichung der Landesbauordnungen. Einige Bundesländer haben zum Teil restriktivere Vorschriften als in Hessen. Seitens des BDB-HESSENFRANKFURT liegt daher der Fokus darauf, die hessische Bauordnung im Sinne der Bauschaffenden in Hessen zu reformieren.

Großes Interesse hat der BDB-HESSENFRANKFURT an einer starken Vereinfachung der Vergaberichtlinien, die sich an den Interessen seiner Mitgliedern in kleinen und mittleren Büros und Firmen orientiert. „Die Vergaberichtlinien dürfen nichts fordern, was nicht im engsten Sinn nur auf die Sicherstellung der Leistungserbringung abzielt.“ so Ostermann.

Der öffentliche Wohnungsbau wird seitens der AfD in Hessen eher kritisch gesehen. Wenn Unterstützung erforderlich ist, dann soll sie den Menschen direkt zu Gute kommen und das Geld nicht in Sand und Steine fließen – Stichwort ‘Subjektförderung statt Objektförderung‘. Wohnraum entsteht besser durch privates Unternehmertum.

„Tatsächlich müssen wir leider zur Kenntnis nehmen, daß die halböffentlichen Wohnungsbaugesellschaften sich nicht anders verhalten als der private Investor auch: Wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen, dann wird nicht gebaut.“ so Ostermann. „Die halböffentlichen Wohnungsbaugesellschaften sind leider kein antizyklisches Korrektiv für die Baubranche und die Wohnungssuchenden.“

Passend formuliert Schulz in der Diskussion um den Mietwohnungsbau einen ganz anderen wesentlichen Anspruch: „Wir wollen aus Mietern Eigentümer machen! Es muß dem einfachen Arbeiter möglich sein, für seine Familie eine Wohnung oder ein Haus zu kaufen und in seiner Lebensarbeitszeit abbezahlt zu bekommen. Das ist Ziel unserer Politik.“

„Freiheitliche Ansätze für Reformen für das Bauen gibt es auch bei anderen und auch vom Primat privaten Unternehmertums reden andere,“ sagt Andreas Lichert abschließend. „Uns zu eigen ist aber der Wille und der Mut zur Umsetzung.“




unerwartet plötzlich weg – BRÜCKEN-KRISE – Hessen immobil

Zeller Brücke bei Bad König – Bild © Hessen Mobil

Die Infrastruktur – vor allem in den westlichen Bundesländern – ist alt. Vieles wurde in der Zeit nach dem Krieg gebaut. Oft auch kamen Technologien zum Einsatz, die damals Stand der Technik waren – Langzeiterfahrungen fehlten aber. Nach rd. 65 Jahren kommt die eingesetzte Technologie offensichtlich an das Ende ihrer Lebensdauer – jedenfalls unter den jetzt sicher anderen Verkehrsbelastungen gegenüber dem ingenieurtechnischen Entwurf aus den 60er Jahren.

So auch bei der 1961 errichteten Zeller Brücke der B45 bei Bad König im Odenwald: Sicherheitbedenken.
Die Brücke soll kurzfristig abgerissen und neu gebaut werden.

In der Politik scheint zumindest angekommen zu sein, Handlungsfähigkeit zeigen zu wollen. Während die Carolusbrücke in Dresden derzeit im Juni 2025 und damit neun Monate nach Einsturz abgebrochen wird, soll in Bad König die Brücke schon in 8 Wochen gesprengt sein. Eine Taskforce wurde gebildet. Es soll alles schnell gehen.

Während der Brückenbau in den 60ern in der Regel die Infrastruktur erweiterte und neue Wegebeziehungen schaffte, führen volkswirtschaftlich heute alle unsere Anstrengungen in diesem Fall nur dazu, daß wir wieder das haben was die letzten 60 Jahre auch da war: Eine Brücke über die Mümling im Odenwald.

Bei den Haushaltsplanern der Gemeinden und in Land und Bund muß ankommen: Bauwerke lasten auf den öffentlichen Haushalten. Und dort, wo die Baulast zugeordnet ist, müssen zukünftig mehr Gelder bereitgestellt werden für Bestandsuntersuchung, Bauunterhaltung und Ersatzneubau.

Tun wir das nicht, landen wir infrastrukturell in der Nachkriegszeit. Und das will sicher keiner.




Bekenntnis zum Handwerk und klarer Kurs bei der Novellierung der HBO

Kaweh Mansoori, Hessischer Wirtschaftsminister

Bereits ein viertel Jahr nach Übernahme der Amtsgeschäfte hat im April letzten Jahres der hessische Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori mit der Aufstiegsprämie den Meisterbrief im Handwerk quasi kostenfrei möglich gemacht. Ein großer Schritt in Richtung Gleichstellung der beruflichen Bildung gegenüber der akademischen. Und ein Signal, dem Fachkräftemangel im Handwerk ernsthaft etwas entgegensetzen zu wollen.

Mansoori selbst hatte auf dem Hessischen Handwerkstag festgestellt, daß eine der drängendsten Aufgaben der Zukunft die Sicherung der Fachkräftebasis ist. Er wolle deshalb um die betriebliche Ausbildung werben. Und man nimmt ihm dieses klare Bekenntnis zum Handwerk auch ab.

Mit der Akzeptanz des Wunsches Vieler nach den eigenen vier Wänden und dem Traum vom Eigenheim, auch natürlich als Einfamilienhaus, positioniert er sich jenseits akademischer Diskussionen nah beim Bürger.
Mag das Hessengeld auch nicht der entscheidende Faktor für die Finanzierung des Eigenheims sein, so ist es aber doch eine klare Formulierung des politischen Willens für eine höhere Eigentumsquote.

Mit dem Baupaket I gibt es einen klaren Kurs zur Novellierung der HBO und die Bauwirtschaft verbindet damit die begründete Erwartungshaltung, daß der jetzt in die richtige Richtung eingeschlagene Weg mit einem Baupaket II fortgesetzt wird. Nicht wenige sagen, hier ist bisher mehr erreicht worden als in den 10 Jahren des Bestehens der ‘Allianz für Wohnen‘.

In ähnlicher Form wie bei beim Baupaket I soll im Dialog mit der Wirtschaft in einer Kommission die Verwendung von mehr Recyclingmaterial beim Straßenbau und im Erdbau erreicht werden. Ein Thema, das seit Jahren auf der Agenda steht und bisher auf Seite des Gesetzgebers nur überwiegend fruchtlose Absichtserklärungen erzeugt hat.
Mansoori will es anpacken.

Wort und Bild bieten die Möglichkeit, schnell Signale für die eigene Agenda zu setzen, Denkweisen neu auszurichten und Themenfelder in den Fokus zu nehmen. Diesbezüglich hat Mansoori die richtigen Akzente schon setzen können. Jetzt gilt es, dem zurückliegend guten, distanzabbauenden Dialog mit dem Handwerk und den Bauschaffenden, auch weiter handfeste gesetzgeberische Taten folgen zu lassen.

Der Handlungsbedarf ist da und die Erwartungen sind hoch.




WIA : Pecha Kucha Night

WIA 2025 ist das erste bundesweite Festival zur Sichtbarmachung von Frauen in Architektur, Innenarchitektur, Stadt- und Freiraumplanung sowie Bau- und Ingenieurbaukunst und Baukultur. 

Am Freitag, den 27. Juni 2025 organisiert LIANe e.V. eine „Pecha Kucha Night“ im Rahmen von WIA 25 mit dem Ziel, das vielfältige Schaffen von Architektinnen sichtbar zu machen. 

Acht selbständige Planerinnen stellen sich, ihre Werke und ihre Lebensentwürfe vor. Sie schildern aus unterschiedlichen Fachdisziplinen und mit unterschiedlicher Berufserfahrung ihre Haltung und wie diese sich in ihrer selbständigen Arbeit als Frau widerspiegelt. Die Vorträge bieten Impulse für die anschließende Podiumsdiskussion und das darauffolgende „get together.“ 

Christina Budde, Autorin und ehemalige Kuratorin des DAM Deutschen Architektur Museum, auch für die Ausstellung „Frau Architekt“ , wird die Veranstaltung moderieren. 

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.

Die Veranstaltung ist öffentlich und kostenlos. Sie richtet sich an alle, die sich für Planungsthemen und die Vielfalt der Schwerpunkte und Haltungen innerhalb des Berufsfeldes interessieren. Sie wird mit 4 Fortbildungspunkte von der AKH anerkannt.

Ute Bernbeck
BDB-HESSENFRANKFURT